Die landwirtschaftliche Produktion mit Flussschwellenbau verbessern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Flussschwellenbau im Ost-Tschad (GERTS)
Auftraggeber: Direktion für die Entwicklung und Zusammenarbeit der Schweizerischen Eidgenossenschaft (DEZA)
Finanzier: Direktion für die Entwicklung und Zusammenarbeit der Schweizerischen Eidgenossenschaft (DEZA) und Agence française de Développement (AFD)
Land: Tschad
Politischer Träger: Ministerium für Produktion, Bewässerung und landwirtschaftliche Ausrüstung 
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2022

Ein Foto einer Flussschwelle.

Ausgangssituation

Der Tschad ist starken Umweltphänomenen ausgesetzt, wie schwankende Niederschlagsmengen, fehlende Bewässerung sowie Wüstenbildung und Entwaldung. Besonders betroffen sind die sahelischen Regionen des Landes, einschließlich der Täler, die normalerweise fruchtbare Landgebiete sind. Das Potenzial der Täler für die landwirtschaftliche Produktion muss im sahelischen Tschad umso mehr genutzt werden, da die Region unter Wassermangel leidet.

78 Prozent der tschadischen Bevölkerung leben direkt oder indirekt von der Landwirtschaft. Ihre Existenzgrundlage ist nicht nur durch Dürre, sondern auch durch Übernutzung der natürlichen Ressourcen bedroht. Dadurch nimmt die Vegetationsdecke ab und führt zusammen mit Bodenerosion im Flachland dazu, dass die Böden weniger Wasser aufnehmen. Das beschleunigt das Abfließen von Niederschlagwasser in die Täler. Dadurch gehen Wasserreserven und fruchtbare Böden verloren und es kommt in regenarmen Jahren häufig zu Nahrungsknappheit.

Die Direktion für die Entwicklung und Zusammenarbeit der Schweizerischen Eidgenossenschaft (DEZA) hat daher den Bereich Landwirtschaft und Ernährungssicherheit im Tschad als Priorität festgelegt. Die DEZA finanziert Initiativen, die auf ein besseres Management des abfließendes Regenwassers abzielen, insbesondere in der Sahel-Sahara-Zone (Batha, Ennedi Ost, Ennedi West und Wadi-Fira). Dazu zählt auch dieses Vorhaben, das bereits in die dritte Phase geht und von der Agence Française de Développement (AFD) mit zusätzlichen Mitteln unterstützt wird.

Ziel

In den Regionen Batha, Ennedi East, Ennedi West und Wadi Fara ist die Ernährungssicherheit verbessert.

image 2

Vorgehensweise

Das Vorhaben baut seit 2012 Flussschwellen, um brachliegende Täler in der Sahelzone aufzuwerten und zu entwickeln. Die Schwellen verteilen das Regenwasser und verringern so die Bodenerosion. Wasser fließt langsamer ab und versickert. Dadurch bauen sich Grundwasserreserven auf, die für die Landwirtschaft nutzbar sind. 

Das Vorhaben verfolgt einen integrierten Ansatz: Die technischen Eingriffe für den Flussschwellenbau werden mit sozioökonomischen Maßnahmen verbunden, die die Vorteile der Flussschwellen für die lokale Bevölkerung nutzbar machen. Die Aktivitäten sind in drei Wirkungsfelder gegliedert: 

  1. Unternehmen, Beratungsfirmen und wirtschaftliche Interessenvereinigungen erhalten Unterstützung, um qualitativ hochwertige Planung, Konstruktion und Instandhaltung von Flussschwellen zu gewährleisten. 
  2. Das Vorhaben arbeitet mit Landwirt*innen zusammen, um die landwirtschaftliche Produktion und das Einkommen der Bevölkerung zu erhöhen und die Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen zu verbessern. Der Zugang zu Wasser und Wissen über gute landwirtschaftliche Praktiken trägt zur Ernährungssicherheit der Familien und Dorfgemeinschaften bei. 
  3. Das Programm verbreitet den Flussschwellenansatz, damit dieser in ministerielle und akademische Programme und in andere Entwicklungsprojekte integriert wird.

Das Vorhaben bezieht wichtige lokale Beteiligte in die Projektmaßnahmen mit ein. So werden die Aktivitäten nicht nur zugunsten, sondern auch in Absprache mit den Empfänger*innen durchgeführt. Die Dorfgemeinschaften werden in die Lage versetzt, Flussschwellen gemeinschaftlich zu nutzen und instand zu halten. Dadurch sollen die Täler nachhaltig bewirtschaftet und eine langfristige Nutzung der Schwellen gesichert werden. 

Die Mehrheit der Landwirte sind Frauen, die für das Pflügen, Säen, Jäten und Ernten zuständig sind. Deshalb hat das Projekt mehrere Initiativen ins Leben gerufen die sicherstellen, dass die Frauen nicht nur von den Projektwirkungen profitieren, sondern auch an seiner Zielerreichung mitwirken. Zudem stellt das Vorhaben sicher, dass die durchgeführten Aktivitäten Umwelt- und Sozialrisiken mindern. Dazu organisiert es Schulungen über gute Praktiken bei der Entnahme, Lagerung und Verwendung von Wasser.

Wirkungen

Bis heute wurden 162 Flussschwellen in 34 Tälern errichtet. Das Grundwasser ist messbar angestiegen, wodurch Brunnen länger Wasser führen. Insgesamt sind durch die Flussschwellen 8.547 Hektar Land fruchtbar geworden – eine Fläche von 12.000 Fußballfeldern. 

In einigen Tälern hat die erneute Verfügbarkeit von Wasser, Vegetation und kultivierbaren Böden dazu geführt, dass die Bevölkerung in ihre ehemaligen Dörfer zurückkehrt, die sie zuvor aufgrund der lebensfeindlichen Bedingungen verlassen musste. Eine große Siedlung hat sich im Wacheké-Tal gebildet, wo 2016 vier Flussschwellen gebaut wurden. Die Zahl der Haushalte betrug vor vier Jahren 175 und stieg auf 402 im Jahr 2020.

Das Programm hat die Gemüseproduktion angekurbelt. In den landwirtschaftlichen Gebieten Batha und Wadi Fira entfaltet sich die landwirtschaftliche Tätigkeit: Eine in zehn Tälern durchgeführte Umfrage zeigt, dass die Anzahl der Landwirte um 46 Prozent gestiegen ist, wobei der Frauenanteil sich von 2018 auf 2019  verdoppelt hat. Die Anbaufläche ist um 12 Prozent gewachsen. Für das Landwirtschaftsjahr 2019 bis 2020 wurden 1.657 Landwirte, darunter 1.217 Frauen, mit einer Anbaufläche von 484,52 Hektar erfasst. 

Das Vorhaben hat 17 tschadische Beratungsfirmen befähigt, Flussschwellen zu planen und die Bauarbeiten zu überwachen. Parallel dazu wurden 33 Unternehmen für den Flussschwellenbau geschult. In der aktuellen Phase arbeiten 754 Arbeiter*innen, darunter 411 Frauen, an 15 Baustellen.

Darüber hinaus hat das Vorhaben Lehrbaustellen organisiert, die großen Anklang bei Bildungsinstituten fanden. Das Lehrpersonal des Nationalen Instituts für die Sahara und den Sahel von Iriba (IN3SI) möchte  nun den Flussschwellenansatz in den Lehrplan mitaufnehmen.

In nahezu jedem der ausgestatten Täler sind lokale Konventionen und Pläne zur Bewirtschaftung der Wassereinzugsgebiete entstanden. Die beteiligten Akteur*innen verfügen über die grundlegenden Texte, halten Sitzungen ab und wenden ein Beitragssystem für die Instandhaltung und Abschreibung der Flussschwellen an, wodurch die Nachhaltigkeit der Leistungen des Vorhabens gewährleistet wird.

Stand: März 2021

image 3