Inklusion: Gesellschaftliche Teilhabe von benachteiligten Menschen fördern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Inklusion von Roma und anderen marginalisierten Gruppen in Serbien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Serbien
Politischer Träger: Büro der Vizepremierministerin Serbiens
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2022

Ausgangssituation

Roma sind die größte Minderheit Europas. Die tatsächliche Zahl kann nur geschätzt werden, weil Roma oft keine gültigen Ausweispapiere haben, nicht registriert sind oder sich als solche zu erkennen geben. Laut der letzten Bevölkerungszählung im Jahr 2011 leben etwa 147.000 Roma in Serbien. Dies entspricht einem Anteil von 2,1 Prozent. Mit bis zu 500.000 Menschen schätzen internationale Organisationen diese Zahl jedoch deutlich höher.

Angehörige der Roma gehören in Serbien zu den besonders hilfsbedürftigen und benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Sie erleiden Diskriminierungen und sind einem sehr hohen Armutsrisiko ausgesetzt. Sie finden sehr viel seltener eine Arbeit als andere Arbeitsuchende und leben häufig in Siedlungen, wo sauberes Wasser, Müllabfuhr und Abwasserversorgung nicht vorhanden sind oder nur schlecht funktionieren. In Gesundheitszentren und in Krankenhäusern müssen sie teilweise länger auf eine Behandlung warten und auch in der Schule und in der Berufsbildung sind sie oft Diskriminierungen ausgesetzt. Roma sind zeit ihres Lebens mit vielen Vorurteilen konfrontiert: Es sei nicht möglich, sie in die Gesellschaft zu integrieren, wegen ihrer starken familiären Bindungen und Traditionen oder sie würden nicht zur Schule und arbeiten gehen wollen, sind nur zwei Beispiele. Roma haben diese Vorurteile oft verinnerlicht und glauben, dass ihnen ein sozialer Aufstieg verwehrt bleibt. Es handelt sich um einen Teufelskreis.

Etwa 80 Prozent der Menschen, die freiwillig oder über das EU-Rückführungsübereinkommen (Readmission Agreement) von Westeuropa nach Serbien zurückkehren, sind Roma. Viele dieser Familien verfügen weder über Wohnraum, Kenntnisse der serbischen Sprache, noch über offiziell anerkannte Dokumente. Das gilt vor allem für den Bereich der Bildungszeugnisse. Sie haben Schwierigkeiten beim Zugang zum serbischen Arbeitsmarkt.

Ziel

Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung in Serbien folgen den Maßgaben der nationalen Strategie zur Inklusion von Roma.

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt die serbische Regierung dabei, die Strategie zur Inklusion von Roma umzusetzen. Ein Koordinierungsgremium ist dafür hauptverantwortlich. Das Vorhaben berät das Gremium Strukturen aufzubauen und bei der Dokumentation der Umsetzung. Weiterhin unterstützt das Projekt die übergreifende Zusammenarbeit und Vernetzung aller beteiligten staatlichen und lokalen Akteure sowie den Aus- und Aufbau eines nationalen Monitoring- und Evaluierungssystems.

In ausgewählten Gemeinden kräftigt das Vorhaben Strukturen und Mechanismen und begleitet Inklusionsmaßnahmen. Vorgesehen sind beispielsweise Roma-Koordinator*innen, Gesundheitsmediator*innen, pädagogische Assistent*innen und Trustees vom serbischen Kommissariat für Flüchtlinge und Migration. Um dem Anspruch „niemanden zurücklassen“ entsprechend der Agenda 2030 gerecht zu werden, arbeitet das Projekt mit der Roma-Minderheit, die am stärksten in Serbien betroffen ist und unterstützt gleichzeitig auch andere benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der wirtschaftlichen und sozialen Reintegration von Rückkehrer*innen.

Das Vorhaben entwickelt Antidiskriminierungsmaßnahmen und setzt diese um. Dadurch leistet es einen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und von Diskriminierung, vor allem mindert es die Mehrfachdiskriminierung von Roma-Frauen. Beteiligte Akteure und die benachteiligten Menschen werden für dieses Thema sensibilisiert und dazu befähigt, ihre Rechte einzufordern. Das Vorhaben möchte bestehende Vorurteile in Frage stellen und gleichzeitig Wissen sowie Kompetenzen in der Antidiskriminierungsarbeit aufbauen.