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27.04.2022

Cybersicherheit: Mission Vertrauen

Datendiebstahl, Spionage, Überwachung – Sicherheitsrisiken im virtuellen Raum nehmen stetig zu. Länder mit schwacher Regulierung, niedrigen Sicherheitsstandards und fehlendem Know-how sind besonders gefährdet.

Datenmissbrauch und Cyberattacken gehören laut dem World Economic Forum im „Global Risks Report 2022“ zu den größten globalen Risiken. Schätzungen zufolge hat Cyberkriminalität im Jahr 2021 weltweit Verluste von etwa sechs Billionen US-Dollar verursacht.

Menschen in Entwicklungsländern sind besonders betroffen: Mobile Geräte sind weit verbreitet. Gleichzeitig fehlen staatliche Aufsichtsbehörden, es gibt kaum Regeln und die Menschen wissen zu wenig über die Gefahren im Netz.

Laut dem Global Cybersecurity Index (2020) hat gerade mal die Hälfte der afrikanischen Staaten Gesetze, um Cybersicherheit zu fördern. Virtuelle Kriminalität kennt keine Grenzen, deshalb ist sie eine globale Aufgabe: Staaten müssen gemeinsam Lösungen für die Bedrohungen finden.

Grace Githaiga, Vorsitzende des kenianischen Thinktanks KICTANet, bestätigt dies aus langjähriger Erfahrung: „Wenn unterschiedliche Ideen zusammenkommen, wird es einfach, virtuelle Sicherheitsprobleme zu lösen. Das schafft keine Institution allein. Um Cybersicherheit herzustellen, müssen also alle Beteiligten zusammenkommen und sich verständigen.“

Simulationen für die Sicherheit von Mensch und Staat

Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) führt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH relevante Akteure aus Regierung, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen und stärkt ihre Fähigkeiten in Cybersicherheit. Dazu führt sie aktuell in sieben Ländern, darunter Kenia, Südafrika, Armenien und Jordanien fiktive Cybersicherheitsübungen durch. Seit dem Beginn 2021 haben mehr als 80 Personen aus Regierung, Privatsektor und Zivilgesellschaft an diesen Übungen teilgenommen. Diese Simulationen werden gemeinsam mit dem Thinktank Stiftung Neue Verantwortung (SNV) entwickelt und umgesetzt. Dabei werden zunächst länderspezifische Sicherheitsbedarfe und relevante Akteure identifiziert. Auf Basis der Ergebnisse gibt es Folgemaßnahmen für die Länderarbeit vor Ort. Dazu gehören Workshops oder die Vermittlung tiefergreifender Lerninhalte – für einen sicheren, verantwortungsvollen Umgang mit Cyberbedrohungen.

Eine Frage des Vertrauens

Warum das Vertrauen in das Datenhandling für die Entwicklung von Staaten so wichtig ist, erklärt Grace Githaiga, die 2021 selbst an der GIZ-Sicherheitsübung in Kenia teilnahm: „Datenschutz ist essenziell, um den Bürgern die Freiheit zu geben, die Daten zu teilen, die sie teilen möchten. Sie müssen darauf vertrauen können, dass sie nicht im Internet oder anderweitig überwacht werden. Außerdem müssen sie sicher sein, dass ihre Daten, die bei wichtigen Behörden gespeichert sind, nicht missbraucht oder zu Marketingzwecken verkauft werden.“

Cybersicherheit beginnt also mit Vertrauen und einer sicheren IT-Infrastruktur. Dafür ist der Aufbau von Kompetenzen und die Schulung in verschiedenen Sektoren wesentlich. Damit dies für jede Person allerorts und zeitunabhängig möglich ist, hat die Stiftung Neue Verantwortung im Auftrag des BMZ englischsprachige, virtuelle Kurse mit Basiswissen zu internationaler Cybersicherheitspolitik entwickelt. Diese sind auf der E-Learning Plattform „atingi“ frei verfügbar. Neben den Lerninhalten haben die Teilnehmer*innen auch die Möglichkeit, sich in einem Forum auszutauschen.

Egal ob virtuell oder in Präsenz – durch den verbesserten Zugang zu Informationen und Methoden für Cybersicherheit können alle relevanten Akteure nachhaltige Lösungen entwickeln, die die lokalen Partner schließlich pflegen und erweitern.