Verkehr, Mobilität, Logistik

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verkehr, Mobilität, Logistik
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Namibia
Politischer Träger: Ministerium für öffentliches Bauwesen und Verkehr (Ministry of Works and Transport)
Gesamtlaufzeit: 2004 bis 2021

Verkehrsbefragung im Norden Namibias Foto:GIZ

Ausgangssituation

Das Verkehrssystem ist für die namibische Wirtschaft von großer Bedeutung. Es ist die Grundvoraussetzung für die gesamte Entwicklung des Landes: es verschafft der Bevölkerung Zugang zu Arbeitsplätzen, Märkten, sozialen Einrichtungen und zur Gesundheitsvorsorge.

Um den Verkehrssektor weiter auszubauen, benötigt das Land qualifizierte Fachkräfte in den Ministerien und nachgeordneten Behörden, der Wirtschaft und im akademischen Bereich.

Dem Ministerium für öffentliches Bauwesen und Verkehr fehlen teilweise das Know-how, Fachkräfte und effiziente Organisationsstrukturen. Dadurch kann es seine Aufgabe zur Steuerung des Sektors nicht ausreichend wahrnehmen und wichtige Sektor-Strategiedokumente sowie Gesetze und Regulierungen nicht anpassen.

Der öffentliche Nah- und Regionalverkehr ist nur unzureichend entwickelt. In der Hauptstadt Windhuk und in den nördlichen Regionen ist das Angebot im öffentlichen und nicht-motorisierten Verkehr unzureichend.

Der vierte Nationale Entwicklungsplan definiert die Entwicklung von Namibia zu einer regionalen Logistikdrehscheibe für die Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC) als eine wichtige Priorität. Die gesetzlichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine Umsetzung fehlen jedoch noch.

Die beiden Hochschulen des Landes sind noch nicht vollständig in der Lage, Lehre und Forschung im Fachbereich Bauingenieurwesen aus eigenen Ressourcen anzubieten. Es stehen nicht genügend Absolventen zur Verfügung, um den Bedarf an Ingenieuren im öffentlichen, privaten und akademischen Sektors zu decken.

Ziel

Die im Bereich Verkehr, Mobilität und Logistik tätigen staatlichen Akteure erbringen qualitativ und quantitativ gute Leistungen.

Neue Busse für Windhoek Foto:GIZ

Vorgehensweise

Zentrale Partnerorganisationen des Projektes sind das Verkehrsministerium sowie dessen nachgeordnete staatliche Unternehmen, das Ministerium für städtische und ländliche Entwicklung, die Stadtverwaltungen in Windhuk und in den nördlichen Regionen sowie die beiden Universitäten des Landes, University of Namibia und Namibian University of Science and Technology. Das Vorhaben kooperiert mit der KfW Entwicklungsbank, die seit 1991 im namibischen Straßenverkehrssektor tätig ist und ihre Zusammenarbeit im Schwerpunkt Transport gegenwärtig auf den Straßenbau fokussiert.

Im Jahr 2016 erstellte Namibia das Weißbuch Verkehrspolitikberatung. Das Projektteam berät das Verkehrsministerium, die Inhalte des Weißbuches in die Praxis zu übertragen. Die Partner bauen Umsetzungs- und Steuerungsstrukturen auf, setzen einzelne Gesetzesvorhaben um, und das Projekt unterstützt institutionelle Maßnahmen. Für den Ausbau des nachhaltigen Verkehrs werden das Verkehrsministerium, die Stadtverwaltung Windhuk sowie die Regional- und Kommunalverwaltungen in den nördlichen Regionen beraten, geeignete institutionelle Strukturen zu schaffen sowie Maßnahmen der Masterpläne vorzubereiten und umzusetzen. Die von der Regierung eingesetzte Implementierungseinheit wird durch Fach- und Prozessberatung in die Lage versetzt, eine Steuerungs- und Implementierungsstruktur aufzubauen sowie eine Marketingstrategie zu entwickeln.

Für Akteure im Logistiksektor realisiert das Projekt Schulungen und Fortbildungen. Im Bereich der Hochschulbildung wird der institutionelle Aufbau der Fakultät für Bauingenieurwesen weiter unterstützt, Lehrkräfte ausgebildet und Vorlesungen durchgeführt.

Wirkungen

Das Projekt hat mit dem Verkehrsministerium einen Verkehrssektorplan beschlossen, der auf dem Nationalen Entwicklungsplan aufbaut. Das Weißbuch Verkehrspolitik entstand unter der Beteiligung zahlreicher Verantwortlicher des Verkehrssektors. Das Weißbuch beschreibt einen modernen Politikrahmen für den gesamten Transportsektor und behandelt dabei alle Transportarten sowie übergreifende Themen.

Mit der Beteiligung der Verkehrsverantwortlichen und der Öffentlichkeit entstand ein nachhaltiger öffentlicher Transport Masterplan für die Stadt Windhuk. Die Akzeptanz des Planes durch das zuständige technische Komitee ist gegeben. Dadurch findet ein Bewusstseinswandel hinsichtlich eines nachhaltigen Verkehrssystems bei den Beteiligten statt. Der Masterplan erhielt für seine hervorragende Qualität eine Auszeichnung der International Association of Public Transport (UITP) und erhielt eine ehrenhafte Erwähnung bei den Sustainable Transport Awards 2017.

Seit Anfang 2016 setzt die Stadt Windhuk 26 moderne Nahverkehrsbusse auf einem neuen Strecken-netz im Stadtgebiet ein, seit Mitte 2016 auf neuen Linien. Die Kosten trugen jeweils zur Hälfte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Stadt Windhuk. Die erfolgreiche Umsetzung hat zur Ausweitung der Aktivitäten im nachhaltigen Verkehr in anderen Regionen Namibias geführt.

Nicht-motorisierte Mobilität wurde durch Kampagnen erfolgreich beworben und nun erarbeiten die Partner eine Strategie mit Netzwerkentwicklung, Qualitätsstandards sowie Kommunikationsstrategie und Organisationskonzeption.

Die Vorlage eines Entwurfs zur Gründung einer Agentur für Verkehrssicherheit sowie die Verbesserung des Leistungsmanagements und die organisatorische Umstrukturierung der Verwaltung des Straßenfonds sind weitere wichtige Fortschritte.

Ingenieurs-Absolventen an der University of Namibia Foto: GIZ

An der University of Namibia und der Namibian University of Science and Technology wurden Bachelor- und Masterstudiengänge für Bauingenieurwesen entwickelt und akkreditiert. Seit Beginn des Verkehrsprojekts ist die Anzahl der eingeschriebenen Studenten in Bauingenieurkursen auf über 400 jährlich gestiegen. Ein Viertel der eingeschriebenen Studenten im Bachelor Studiengang sind Frauen. 2014 wurde der erste Masterstudiengang im Bauingenieurswesen mit dem Schwerpunkt Transportwesen eingeführt.