Grundbildungsprogramm

Projektsteckbrief

Bezeichnung: Grundbildungsprogramm
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Niger
Politischer Träger: Ministère du Plan, de l’Aménagement du Territoire et du Développement Communautaire
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2017

Ausgangssituation
Niger gehört zu den Ländern mit den schlechtesten Bildungsindikatoren weltweit. Gegenwärtig sind etwa 2,4 Millionen Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren schulpflichtig. Aufgrund erster Reformfortschritte besuchten im Schuljahr 2010/2011 bereits rund 1,9 Millionen Kinder die Schule.

Durch das hohe Bevölkerungswachstum wird sich die Zahl der Grundschüler und Grundschülerinnen bald mehr als verdoppeln: von rund 1,7 Millionen (2010) auf etwa 3,7 Millionen (2024). Über die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre; sodass der Druck auf das Bildungssystem stetig zunimmt.

Ein Zehnjahresprogramm des nigrischen Grundbildungsministeriums hatte erste Erfolge gebracht. So stieg die Bruttoeinschulungsrate von 34 Prozent (2000) auf 76 Prozent (2011). Der Anteil der Erstklässler, die den ersten Schulzyklus ganz abschließen, stieg um 35 Prozent.

Große Ungleichheiten bestehen weiterhin zwischen städtischen und ländlichen Gebieten, zwischen einzelnen Regionen und zwischen Mädchen und Jungen bei Einschulungs- und Abbruchraten. Die für Bildungsqualität und zur -systemstärkung gesetzten Ziele wurden nicht erreicht. Die Verbesserung der Qualität und eine Effizienzsteigerung im Bildungssystem hat für die nigrische Regierung deshalb Priorität. Im Juli 2013 wurde ein neues nationales Programm für den gesamten Bildungssektor vorgelegt.

Ziel
Kompetenzen, Effizienz und Leistungsfähigkeit des Managements im Grundbildungssektor sind verbessert.

Vorgehensweise
Das Vorhaben will mit seinen Maßnahmen den Zugang zu Grundbildung sowie deren Qualität verbessern. Die Maßnahmen sollen die Einschulungsraten erhöhen, die Abbruchquoten senken und die Lernleistungen von Schülerinnen und Schülern steigern. In der herrschenden fragilen Sicherheitssituation setzt das Vorhaben konfliktsensible und konfliktvermeidende oder -vermindernde Interventionsansätze ein.

Das Vorhaben ist in die Umsetzung des nigrischen Bildungssektorprogramms im Bereich Grundbildung eingebunden. Es hat zwei zentrale Handlungsfelder und agiert auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene:

  1. Bildungsplanung
    Für den Planungsprozess auf nationaler und regionaler Ebene wird eine detaillierte Leitlinie entwickelt. Sie legt Normen und Standards für die einzelnen Planungsschritte fest, auch im Hinblick auf eine bessere Integration von Mädchen in die Grundbildung, und wird bis auf kommunaler Ebene erprobt. Zivilgesellschaftlich relevante Akteure wirken an Projektaktivitäten mit, um einen sozialen und gesellschaftlichen Konsens bei der Umsetzung der Bildungsziele auf dezentraler Ebene zu erreichen.
  2. Bildungsverwaltung/Personalressourcenmanagement
    Das Vorhaben berät bei der Entwicklung eines qualitätsorientierten Personalmanagements. Es unterstützt institutionelle und organisatorische Veränderungen, um die Qualität des Lehr- und Verwaltungspersonals an die Anforderungen des Sektors anzupassen. Arbeitsbereiche sind dabei beispielweise das Beurteilungssystem für Lehrer als Instrument zur Qualitätssicherung und Personalentwicklung sowie das Erarbeiten von Stellenbeschreibungen, Anforderungsprofilen und Fortbildungen für zentrale Verwaltungsstellen von der regionalen bis zur Schulebene.

Zusammen mit dem Ministerium für Grundbildung führen die Berater zunächst eine Bedarfsanalyse durch und entwickeln eine Strategie, um individuelle, organisatorische und institutionelle Veränderungsbedarfe in Bildungsplanung und Personalressourcenmanagement präzise zu ermitteln. Gemeinsam mit weiteren regionalen und kommunalen Akteuren wird anschließend ein Konzept zur Entwicklung von Kompetenzen, Ressourcenverwaltung und Leistungsfähigkeit (Capacity Development) entwickelt.

In enger Zusammenarbeit mit dem Partnerministerium werden gegenwärtig Basisdaten erhoben, um später Vergleichsdaten für die Wirkungsmessung zu haben. Gleichzeitig werden die Kommunen ausgewählt, in denen die Pilotmaßnahmen durchgeführt werden.

Das Grundbildungsvorhaben arbeitet auf kommunaler und regionaler Ebene mit dem Vorhaben „Unterstützung der Dezentralisierung und der guten Regierungsführung“ eng zusammen. Die Strukturen des Dezentralisierungsvorhabens sollen für einen Austausch im Sinne besserer Wirksamkeit genutzt werden.

Wirkungen
Das Vorhaben hat Grundlagen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Grundbildung geschaffen und stellt kontinuierlich sicher, dass dieses auch den weiteren Prozess der Zusammenarbeit bestimmt. Das methodische Vorgehen fördert die aktive Rolle des Partnerministeriums bei der Entwicklung der Projektstrategie und bei der Ermittlung der Veränderungsbedarfe in Bildungsplanung und Personalressourcenmanagement. So wird eine hohe Identifikation mit der Durchführung und den Ergebnissen gefördert und damit eine hohe Nachhaltigkeit der Wirkungen möglich.

Erkenntnisse aus einer Genderstudie zu Beginn des Vorhabens werden für die Förderung der Schulbildung von Mädchen genutzt. Sie flossen in die Überarbeitung des Projektkonzeptes ein, sodass die Förderung der Qualifizierung und Beteiligung von Frauen an Projektmaßnahmen in der Projektstrategie verankert werden konnte.

Niger. Erstklässlerin in Niamey. © GIZ