Freiwillige Rückkehr somalischer Flüchtlinge aus Nachbarstaaten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung der freiwilligen Rückkehr somalischer Flüchtlinge durch einen gemeindeorientierten Reintegrationsansatz
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Somalia
Politischer Träger:  Wasaaradda Arrimaha Gudaha Soomaaliya (Ministry of Interior and Federal Affairs)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2021

Basketballtornament zur Integration in Kismayo-GIZ_Amina Dubow

Ausgangssituation

Der lange Bürgerkrieg hat die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen Somalias zerrüttet und die Lebensbedingungen großer Teile der Bevölkerung verschlechtert. Die neue Regierung und die sich im Aufbau befindlichen Regionalregierungen sind mit der staatlichen Güterverteilung an die eigene Bevölkerung überfordert. Drei Dürreperioden hatten seit 2011 erhebliche Auswirkungen. Konflikte und Hunger haben in den vergangenen Jahrzehnten rund zwei Millionen Menschen vertrieben. Einige haben in anderen Regionen des Landes Zuflucht gesucht, andere sind in Nachbarländer wie Kenia geflüchtet.

Die Anzahl der von Kenia nach Somalia zurückgekehrten Geflüchteten stieg seit 2016 auf 75.000 Personen an. Die Mehrheit davon kommt in die somalische Hafenstadt Kismayo. 

Eine zentrale Aufgabe ist die soziale, wirtschaftliche und politische (Re-)Integration der Rückkehrer*innen und Binnenvertriebenen. Durch die wachsende Bevölkerung sind Ressourcen und Strukturen in Kismayo überlastet, so dass das Konfliktpotential zwischen Binnenvertriebenen, Rückkehrenden und der ansässigen Bevölkerung steigt. Immer mehr Menschen konkurrieren um die ohnehin schon spärlichen Basisdienstleistungen und die schwache öffentliche Infrastruktur. Zudem sind viele Menschen  von der Flucht und dem Bürgerkrieg traumatisiert.

Ziel

Die Lebensgrundlagen von Rückkehrenden, Binnenvertriebenen und der lokalen Bevölkerung in ausgewählten Aufnahmegemeinden in Somalia sind  verbessert.

Erfolgreicher Jungunternehmer mit  handy 'repair shop'-GIZ_Amina Dubow

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt ausgewählte Gemeinden bei der Wiedereingliederung von Binnenvertriebenen und Rückkehrenden aus Nachbarstaaten. Die aufnehmenden Gemeinden profitieren ebenfalls davon. Erreicht wird dies über vier Handlungsfelder:  

  • Verbesserung der Funktionsfähigkeit sozialer und ökonomischer Infrastruktur, 
  • Förderung von Einkommen über Unternehmensförderung, Beschäftigungsförderung und Vermittlung von Arbeitsplätzen, 
  • Kompetenzentwicklung ausgewählter  lokaler Behörden und Institutionen in ihren Funktionen auf die (Re-)Integration von Rückkehrer/innen und Binnenvertriebenen, 
  • Bereitstellung von psycho-sozialen Basisdienstleistungen

Das Projekt kooperiert mit verschiedenen nationalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen. Schwerpunkt ist ein integrierter Ansatz, der alle Zielgruppen und staatlichen Entscheidungsträger einbezieht.

Neuer Dal Ada Markt-GIZ_Amina Dubow

Wirkung

Mehr als 80.000 zurückgekehrte Flüchtlinge aus Nachbarstaaten, Binnenvertriebene und Einheimische profitierten direkt oder indirekt von den Aktivitäten des Projekts. Die Arbeitslöhne sichern das Einkommen oder bilden das Grundkapital für die Gründung kleiner Unternehmen. Rund 4.000 Menschen kaufen und verkaufen Milchprodukte, Gemüse sowie Kamel- und Ziegenfleisch auf dem neuen Markt im Zentrum von Kismayo. Teestände, Schneider- und Friseurläden nutzen die neue Infrastruktur und eröffnen Geschäfte in der Umgebung der Markthalle, die wiederum einer breiten Öffentlichkeit dient und das Wirtschaftswachstum fördert. Solarbetriebene Straßenlaternen und kleine Solarlampen bieten Licht und Sicherheit.

Viele Menschen haben von Beratung, Aus- und Weiterbildung profitiert: 850 arbeitslose Jugendliche und Frauen haben gelernt, wie sie ihr eigenes Unternehmen gründen. Sie haben Zugang zu Mikrokrediten. Neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Mehr als 1.000 junge Menschen haben an Schulungen teilgenommen, um Tischler, Schweißer, Installateure, Kosmetikerinnen, Servicepersonal im Hotelgewerbe oder Schneider*in zu werden. Gute Geschäftsideen wurden mit einem Startkapital belohnt. 

Diverse Frauenkooperativen haben mit ihren neuen Geschäftsideen für geschnittenes Weißbrot- und Marmorkuchenherstellung sowie spezielle Stickereien für Kleidungstücke und Innenausstattung neue Märkte erobert und Arbeitsplätze geschaffen. Innovationen in der Verarbeitung, Herstellung und dem Verkauf von Milch-, Eis – und Joghurtprodukten schafften Nischen für neue Produkte, wie den Kismayo Joghurt. Insgesamt haben bis heute mehr als 900 Frauen und Männer ihre Geschäftsideen verwirklicht, haben Einkommen und schafften ebenso Arbeitsplätze. 

Kombinierte Job- und Handelsmessen bringen potentielle Arbeitgeber und Arbeitssuchende zusammen. Gezielte berufliche Vorbereitung in Kooperation mit der Privatwirtschaft (IT-, Banken-, Telekommunikationssektor, Gastronomie- und Hotelgewerbe) sind erfolgreich für Arbeitssuchende und Firmen. 150 junge Leute wurden erfolgreich langfristig vermittelt und haben einen Arbeitsplatz gefunden.  Das Vorhaben bildete die ersten Solartechniker*innen aus, die heute Dienstleistungen anbieten und Solarstände betreiben. Die Kommission des somalischen Bundestaats Jubbaland registrierte erfolgreich 75.000 Binnenflüchtlinge und 75.000 Rückkehrende aus den Nachbarstaaten, stellt Personalausweise aus und berät bei der Weidereingliederung.

Die Maßnahmen kommen den Binnenvertriebenen, Rückkehrenden  und den Aufnahmegemeinschaften gleichermaßen zugute. Der nachhaltige Ansatz versucht langfristige strukturelle Ursachen für Vertreibung wie soziale Ungleichheit und Perspektivlosigkeit zu beseitigen. Er fördert Beschäftigung, Gesundheit, sozialen Zusammenhalt, nachhaltige Entwicklung und neue Lebensperspektiven.

Zudem wird das Vorhaben ab Ende 2019 auf die verstärkte Nachfrage der in Kismayo lebenden Bevölkerung nach Dienstleistungen zur Verbesserung des psychosozialen Wohlbefindens eingehen. 

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