Freiwillige Rückkehr somalischer Flüchtlinge fördern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung der freiwilligen Rückkehr somalischer Flüchtlinge durch einen gemeindeorientierten Reintegrationsansatz in Somalia
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Somalia
Politischer Träger:  Wasaaradda Arrimaha Gudaha Soomaaliya (Ministry of Interior, Federal Affairs and Democratization)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2022

Basketballtornament zur Integration in Kismayo-GIZ_Amina Dubow

Ausgangssituation

Drei Jahrzehnte Bürgerkrieg, schwere Anschläge der Terrormiliz Al Shabaab sowie drei Dürren seit 2011 haben Somalias Strukturen zerrüttet. Konflikte und Hunger haben in den vergangenen Jahrzehnten rund zwei Millionen Menschen vertrieben. Heute gehören somalische Flüchtlinge und Asylsuchende zu den größten Flüchtlingspopulationen der Welt. 

Nach mehr als 20 Jahren ohne Zentralregierung wurde im August 2012 eine gemeinsame somalische Regierung gewählt. Infolge der verbesserten Stabilität kehrten zwischen 2014 und 2020 mehr als 91.000 somalische Flüchtlinge zurück. Die Mehrheit versucht sich ein neues Leben in der Hafenstadt Kismayo aufzubauen, aufgrund ihres wirtschaftlichen Potenzials und ihrer strategischen Lage. 

Dadurch hat sich die Bevölkerung Kismayos in den letzten Jahren verdoppelt: Rückkehrende und Binnenvertriebene machen heute ein Drittel der Bevölkerung aus. Die ohnehin knappen Ressourcen und schwachen Strukturen sind dadurch überlastet. Das Konfliktpotenzial zwischen Binnenvertriebenen, Rückkehrenden und der lokalen Bevölkerung nimmt zu. Die Corona-Pandemie hat die Lage weiter verschärft und beeinträchtigt die Lebensgrundlagen insbesondere einkommensschwacher Familien. Hinzu kommt, dass viele Menschen durch die Flucht und den Bürgerkrieg traumatisiert sind.

Ziel

Die Lebensgrundlagen von Rückkehrenden, Binnenvertriebenen und der lokalen Bevölkerung in ausgewählten Aufnahmegemeinden in Somalia sind verbessert.

Erfolgreicher Jungunternehmer mit  handy 'repair shop'-GIZ_Amina Dubow

Vorgehensweise

Das Vorhaben trägt zur sozialen, wirtschaftlichen und politischen (Re-)Integration bei. Es unterstützt die aufnehmenden Gemeinden, um Konflikte zwischen Rückkehrenden, Binnenvertriebenen und der lokalen Bevölkerung zu vermeiden und deren friedliches Zusammenleben zu stärken. Erreicht wird dies über fünf Handlungsfelder:  

  • Funktionsfähigkeit sozialer und ökonomischer Infrastruktur verbessern
  • Einkommen schaffen durch Unternehmensförderung, Beschäftigungsförderung und Arbeitsplatzvermittlung
  • Kompetenzen in ausgewählten lokalen Behörden und Institutionen aufbauen, um die (Re-)Integration von Rückkehrenden und Binnenvertriebenen zu erleichtern
  • Psychosoziale Basisdienstleistungen anbieten
  • Kurzfristige Dienstleistungen gegen die Auswirkungen von COVID-19 bereitstellen

Das Projekt kooperiert mit verschiedenen nationalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen. Schwerpunkt ist ein integrierter Ansatz, der alle Zielgruppen und staatlichen Entscheidungsträger*innen einbezieht.

Neuer Dal Ada Markt-GIZ_Amina Dubow

Wirkung

Innerhalb der letzten sechs Jahre profitierten mehr als 80.000 rückkehrende Flüchtlinge, Binnenvertriebe und Einheimische direkt oder indirekt von den Aktivitäten des Projekts.

Neue Markthalle: Der neue Markt im Zentrum von Kismayo hat sich als wirtschaftlicher Knotenpunkt etabliert. Rund 4.200 Menschen nutzen ihn jede Woche. Geschäfte haben rund um die Markthalle eröffnet und fördern das Wirtschaftswachstum. Solarbetriebene Straßenlaternen sorgen für Licht und Sicherheit. Ein weiterer Markt wird im Jahr 2021 fertiggestellt. 

Hebammenschule: Eine neue Hebammenschule bildet seit drei Jahren Geburtshelfer*innen aus – sie sorgen für sichere Geburten und retten Leben.

Beratung, Aus- und Weiterbildung: Mehr als 1.700 Jugendliche und Frauen erhielten Kurse zur Unternehmensgründung. Mehr als 800 junge Menschen nahmen an Schulungen teil, um Tischler*in, Schweißer*in, Installateur*in, Kosmetiker*in, Servicepersonal im Hotelgewerbe oder Schneider*in zu werden. 

Kleinunternehmen: Frauenkooperativen haben mit Backwaren und Stickereien neue Märkte erschlossen. Innovationen in Verarbeitung, Herstellung und dem Verkauf von Milchprodukten schafften Nischen für neue Produkte, wie den Kismayo Joghurt. Insgesamt haben bis heute mehr als 1.250 Frauen und Männer ihre Geschäftsideen verwirklicht, Einkommen erzielt und Arbeitsplätze geschaffen. Gute Geschäftsideen wurden mit einem Startkapital gefördert. 

Arbeitsmarkt: Job- und Handelsmessen bringen Arbeitgebende und Arbeitssuchende zusammen. Berufliche Vorbereitung zusammen mit der Privatwirtschaft verbessert die Jobaussichten in den Bereichen IT, Bankenwesen, Telekommunikation, Gastronomie- und Hotelgewerbe. 220 arbeitssuchende Jugendliche fanden einen Job und erhielten ein einjähriges Mentoring-Programm.

Erneuerbare Energien: Das Vorhaben bildete die ersten Solartechniker*innen aus, die heute kleine Betriebe bei der alternativen Stromversorgung beraten. 

Psychosoziale Dienste: Erste Selbsthilfegruppen für psychosoziale Beratung sind aktiv. Aufgrund hoher Nachfrage sind weitere geplant. Der Aufbau einer neuen Abteilung im Gesundheitsministerium ist Teil dieses Beratungsangebots. 

Verwaltung: Ein Lernnetzwerk ermöglicht es Partnerinstitutionen, Leitbilder zu entwickeln und sich über Organisationsentwicklung und Leistungserbringung auszutauschen. Das Handelsministerium hat eine digitale Registrierungs- und Zertifizierungsplattform für kleine und mittlere Unternehmen in Kismayo eingerichtet. 

COVID-19: Das Vorhaben unterstützt ein Quarantänezentrum, mobile Gesundheitsdienste für etwa 9.000 Menschen, bedingungslose zeitlich begrenzte Bargeldtransfers für 2.800 Menschen und Zugang zu Hygiene- und Aufklärungsmaßnahmen.

Die Maßnahmen kommen den Binnenvertriebenen, Rückkehrenden und den Aufnahmegemeinschaften gleichermaßen zugute. Sie sollen strukturelle Ursachen für Vertreibung wie soziale Ungleichheit und Perspektivlosigkeit beseitigen. 

Stand: April 2021

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