Umwelt und Klima

Klimafreundlicher Kaffee aus Costa Rica

Costa Rica will den CO2-Ausstoß im Kaffeeanbau reduzieren.

© ICAFE

Kleines Land, großes Vorbild: Costa Rica will bis 2021 das weltweit erste CO2-neutrale Land sein. Eine von vielen Klimaschutzmaßnahmen des Landes ist es, Kaffee klimafreundlich anzubauen und zu verarbeiten. In Schulungen lernen Landwirte unter anderem, bei der Kaffeeproduktion entstehende Bio-Abfälle wiederzuverwerten und effizienter und emissionsärmer zu düngen.

Kaffee gehört in Costa Rica zu den wichtigsten Exportgütern, wirkt sich aber in der Produktion auch negativ auf die Umweltbilanz des Landes aus: Der Anbau und die Verarbeitung der Bohnen sind für ein Viertel der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft verantwortlich. Die Kaffeeproduktion ist damit ein wichtiger Ansatzpunkt, um Costa Ricas ehrgeiziges Klimaziel zu erreichen: Das Land möchte bis 2021 eine ausgeglichene Treibhausgasbilanz haben, also CO2-neutral sein. Eine der nationalen Klimaschutzmaßnahmen (Nationally Appropriate Mitigation Actions, NAMAs) besteht darin, den Anbau von klimafreundlichem Kaffee zu fördern. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH berät das Land bei der Umsetzung der Maßnahme.

Das Projekt wird von der NAMA-Fazilität finanziert, einem gemeinsamen Fonds des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und des britischen Energieministeriums (BEIS). Die Fazilität unterstützt verschiedenste Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ziel des Projekts ist es, dass Landwirte und Verarbeitungsbetriebe ihren Kaffee möglichst emissionsarm und nachhaltig herstellen und verarbeiten. Außerdem soll der weltweit erste emissionsarme Kaffee auch international als innovatives Produkt vermarktet und verkauft werden.

© ICAFE

Klimafreundliche Methoden senken auch die Kosten

Über die Hälfte der Emissionen entsteht in der Kaffeeproduktion dadurch, dass die Pflanzen chemisch gedüngt werden. Für weitere 30-40 Prozent der Emissionen sind organische Abfälle verantwortlich, die bei der Produktion entstehen: ­­Schließlich lassen sich nur die Kaffeebohnen, also die Kerne der Pflanze, verwerten – Schale und Fruchtfleisch werden biologisch abgebaut. Während die Abfälle langsam zerfallen, setzen sie Emissionen frei.

In Schulungen werden den teilnehmenden Landwirten nachhaltige landwirtschaftliche Methoden vorgestellt, mit denen sie ihre Emissionen verringern können. So lernen sie beispielsweise, chemischen Dünger sparsamer einzusetzen und organische Abfälle für die Produktion zu nutzen. Mit den Abfällen lassen sich zum Beispiel Röstöfen heizen und so der Holzverbrauch verringern. Die ungenutzten Reste der Kaffeefrucht können auch als Düngemittel verwendet werden und einen Teil des chemischen Düngers ersetzen. Mit diesen und weiteren Methoden reduzieren die Kaffeeproduzenten nicht nur Emissionen, sondern sparen auch Kosten.

Ein Drittel der Anbaufläche Costa Ricas soll nachhaltig bewirtschaftet werden

Bislang haben mehr als 3.000 Kaffeeproduzenten an den Schulungen teilgenommen und sich mit den klimafreundlichen Methoden vertraut gemacht. Dreihundert von der GIZ geschulte lokale Berater des Nationalen Kaffeeinstituts (ICAFE) und des Agrarministeriums (MAG) unterstützen die Landwirte, das Gelernte umzusetzen.

© ICAFE

Bis Ende 2019 sollen 6.000 Kaffeeproduzenten auf 25.000 Hektar nachhaltige landwirtschaftliche Methoden anwenden – das entspricht einem Drittel der gesamten Kaffeeanbaufläche Costa Ricas. Insgesamt sollen so jährlich 60.000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen eingespart werden. Um gute Ansatzpunkte – etwa energiesparende Maschinen für die Kompostierung – dafür zu finden, untersuchen die Produzenten, in welchen Bereichen sie besonders viele Treibhausgase ausstoßen.

Klimafreundlicher Kaffee für die Welt

Doch es geht nicht nur um Anbau und Verarbeitung, sondern auch darum, den Kaffee international erfolgreich zu vertreiben und zu vermarkten. So verlief zum Beispiel eine Verkaufsreise von fünf Projektbetrieben Anfang Oktober 2017 zu mehreren deutschen Röstereien und der Nahrungsmittelmesse Anuga sehr erfolgreich. Aktuell befinden sich die Betriebe in Verkaufsverhandlungen für den Kaffee aus der Ernte 2017/2018.

Der klimafreundliche Kaffee Costa Ricas stößt auch bei anderen Ländern auf Interesse: Kolumbien und Honduras etwa haben Interesse daran, ihre eigenen Maßnahmen zu klimaneutralem Kaffee zu entwickeln; die Dominikanische Republik hat damit bereits begonnen.

 

Stand: Oktober 2017