Wenn alle gewinnen – internationale Pflegekräfte für Deutschland

Während in Deutschland Pflegepersonal fehlt, finden qualifizierte Fachkräfte im Ausland oft keine Arbeit. Dabei können Unternehmen in Deutschland, die Pflegekräfte selbst und ihre Herkunftsländer von einer Kooperation gleichermaßen profitieren. Seit Programmbeginn im Jahr 2013 sind bereits mehr als 1.500 Pflegefachkräfte aus Serbien, Bosnien und Herzegowina, den Philippinen und Tunesien an Kliniken und Pflegeeinrichtungen in Deutschland vermittelt worden.

Der Pflegebereich in Deutschland ist auch wegen der immer älter werdenden Gesellschaft von einem großen Fachkräftemangel betroffen. Gleichzeitig gibt es für qualifizierte Pflegekräfte insbesondere in Ländern außerhalb der Europäischen Union zu wenig Jobs. Ein gemeinsames Vorhaben der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH bringt gut ausgebildete Pflegekräfte aus Serbien, Bosnien und Herzegowina, den Philippinen und Tunesien nach Deutschland.

Davon profitieren gleich drei Beteiligte: Die Fachkräfte können zu fairen Bedingungen in Deutschland arbeiten und leben. Gleichzeitig sinkt die Arbeitslosigkeit in den Herkunftsländern und diese profitieren von den finanziellen Rücküberweisungen der Arbeitsmigranten. In Deutschland können Kliniken und Pflegeeinrichtungen offene Stellen mit qualifiziertem Personal besetzen.

Sorgfältige Planung für eine erfolgreiche Vermittlung

Es wird ausschließlich mit Ländern zusammengearbeitet, die einen Überschuss an gut ausgebildeten Pflegekräften aufweisen. Außerdem sind die Arbeitsverwaltungen der Partnerländer in den Vermittlungsprozess eingebunden: Sie halten für interessierte Pflegekräfte Informationen zum Programm bereit und stellen den Kontakt her. Etwa zwei Mal jährlich werden Stellenausschreibungen in den Herkunftsländern veröffentlicht. Nach dem Einreichen der Bewerbungen durch die Pflegekräfte führt die ZAV vor Ort Auswahlgespräche mit den Bewerbern durch. Im Vordergrund stehen Fragen zur Ausbildung und Berufserfahrung sowie zur persönlichen Motivation und Eignung. Auch Deutschkenntnisse spielen eine Rolle.

Im nächsten Schritt werden den interessierten Arbeitgebern ausgewählte Bewerber vorgeschlagen. Es folgt ein Vorstellungsgespräch – entweder vor Ort in den Herkunftsländern oder per Skype oder Telefon. Beide Seiten können sich somit vom Gegenüber ein persönliches Bild machen.

War das Gespräch erfolgreich, wird ein Arbeitsvertrag abgeschlossen.

Unterstützung bei Qualifizierung, Ausreise und Integration

Nach der Aufnahme der Bewerber in das Projekt unterstützt die GIZ die Fachkräfte vor allem bei der Vorbereitung auf das Leben und Arbeiten in Deutschland. Dazu zählen Sprachkurse bis zum Fortgeschrittenen-Niveau und ein viertägiger Pflegefachkurs. Zudem unterstützt die GIZ den Anerkennungsprozess der im Herkunftsland erworbenen fachlichen Qualifikationen. Nach der Ankunft in Deutschland begleitet die GIZ die Fachkräfte bei deren Integration und unterstützt zum Beispiel bei Behördengängen. Außerdem werden die Belegschaften der Einrichtungen und Krankenhäuser mit einem Integrationsworkshop auf die neuen Kollegen vorbereitet. Während des ersten Jahres können sich sowohl die Arbeitgeber als auch die Pflegekräfte bei Problemen an eine Telefon-Hotline wenden.

Die gemeinsame Initiative von ZAV und GIZ stößt auf großes Interesse. Seit Programmbeginn im Jahr 2013 sind bereits mehr als 1.500 Pflegefachkräfte vermittelt worden, rund 1.000 haben die Arbeit in Deutschland bereits aufgenommen. Über 160 Einrichtungen nehmen das Vermittlungsangebot bereits in Anspruch. Nach vier Jahren Programmlaufzeit ist Triple Win gut etabliert. Es gilt auch international als Vorzeigeprogramm und wird von der Internationalen Organisation für Migration und dem Internationalen Gewerkschaftsbund als Best Practice gewürdigt.

Auch die Fachkräfte selbst ziehen eine positive Bilanz – trotz anfänglicher Herausforderungen wie Deutschlernen oder die Anerkennung der Qualifikationen oder Ausbildung. Sie fühlen sich integriert und haben sich beruflich und persönlich weiterentwickelt. Viele von ihnen haben bereits Fortbildungen absolviert und damit den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft in Deutschland gelegt.

Stand: Juli 2017

Im Auftrag deutscher Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen

Kontakt


Maja Bernhardt
maja.bernhardt@giz.de