Umwelt und Klima

Klar zur Wende: Chile setzt auf erneuerbare Energien

Chile entwickelt innovative Speicherkonzepte, um Strom aus Sonne und Wind verlässlich verfügbar zu machen.

Klar zur Wende: Chile setzt auf erneuerbare Energien

Mit der Energiewende hat sich der Andenstaat ein großes Ziel gesetzt: eine grundlegende Umstellung der Stromversorgung. Im Norden des Landes wird das erste südamerikanische Kraftwerk mit konzentrierter Solarstrahlung 2020 ans Netz gehen. Das Land nutzt auch neuartige Lösungen, um den geplanten Kohleausstieg umzusetzen. So sollen Solarkraftwerke und Wärmespeicher Solar- und Windstrom rund um die Uhr verfügbar machen. 

Chile entwickelt sich zum Vorreiter in Sachen erneuerbarer Energien und des Klimaschutzes in Südamerika. Machten 2014 Sonne und Wind nur sechs Prozent am Energiemix aus, sind es fünf Jahre später rund 20 Prozent. Bis 2035 soll mehr als die Hälfte des Stroms mit Erneuerbaren produziert werden. Die Voraussetzungen sind optimal: Die Atacama-Wüste im Norden des Landes gilt als einer der Orte mit der intensivsten Sonnenstrahlung der Welt und bietet beste Bedingungen für die Gewinnung von Sonnenenergie. Ein 4.200 Kilometer langer Küstenstreifen bringt reichlich frische Luft – ideal für Windparks. Außerdem schlummert ein Großteil der Erdwärme unter hunderten von Vulkanen. 

Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH den Andenstaat seit 2008 bei seiner Energiewende. "Die Zusammenarbeit mit der GIZ war für den Wissens- und Technologieaustausch sehr wichtig. Unsere Fachleute konnten ihr Know-how zum Beispiel durch Praktika in deutschen Energieunternehmen erheblich erweitern", sagt Juan Carlos Olmedo, Präsident des nationalen Stromnetzbetreibers Coordinador Eléctrico Nacional (CEN).

Der günstigste Solarstrom weltweit

Das Bundesunternehmen hat gemeinsam mit dem chilenischen Energieministerium bereits einige Erfolge erzielt. Unterstützt durch die Beratung der GIZ konnte die maximale Leistung von Solaranlagen von unter sieben Megawatt (2014) auf mehr als 2.400 Megawatt (2018) gesteigert werden. Auch die maximale Leistung der Windparks hat sich in den letzten Jahren erheblich gesteigert – von 335 auf mehr als 1.700 Megawatt. 

Erklärtes Ziel der chilenischen Regierung ist eine stabile und günstige Stromversorgung. Dabei treten alle Energieformen in einen offenen Preiskampf. Subventionen? Fehlanzeige. Dass sich im Wettbewerb zuletzt oft die Erneuerbaren durchgesetzt haben, lag auch am Preis: Chile produziert – aufgrund der idealen Bedingungen und der immer günstiger werdenden Technologiepreise – mittlerweile den günstigsten Solarstrom der Welt. Die Kilowattstunde Solarstrom kann man im Norden Chiles für unter zwei US-Cent erzeugen. In Deutschland liegen die Erzeugerkosten etwa dreimal so hoch.

Kohlekraftwerke in Energiespeicher umrüsten

Bis 2030 will die chilenische Regierung auch den Treibhausgasausstoß verringern. Um mindestens 30 Prozent. Im Januar 2018 hat sie den Ausstieg aus der Kohle beschlossen. Noch bezieht das Land, ähnlich wie Deutschland, knapp 40 Prozent seiner Energie aus Kohlekraftwerken. Die GIZ berät im Auftrag des BMU dazu, wie stillgelegte Kraftwerke weiter genutzt und Jobs erhalten werden können. Ein Ansatz ist, abgeschaltete Kohlekraftanlagen in emissionsfreie Wärmespeicherkraftwerke ("Carnot-Batterien") umzurüsten. Sie funktionieren dann im Prinzip wie eine Batterie: Mit günstigem Solarstrom, oder überschüssiger Energie aus Windanlagen werden Salze erhitzt, die die freigesetzte Energie speichern. "Wir sehen eine große Chance in technologischen Alternativen, die einen Teil dieser Anlagen weiterhin für Netz- oder Speicherdienstleistungen nutzen und dadurch auch erneuerbare Energien rund um die Uhr verfügbar machen", sagt Juan Carlos Olmedo. 

Chiles Sonnenturm

Neben der Umnutzung von Kohlekraftwerken spielt konzentrierte Solarenergie eine entscheidende Rolle bei Chiles Energiewende. "Cerro Dominador", heißt die erste konzentrierte Solaranlage Südamerikas, die derzeit in der Atacama-Wüste entsteht. Auch hier geht es um Energiespeicherung. Etwa 10.000 Reflektoren lenken Sonnenstrahlen gebündelt auf die Spitze des 250 Meter hohen Turms. Das Besondere: Auch hier wird die Energie in thermischen Speichern als flüssiges Salz zwischengelagert und über Wärmetauscher in Wasserdampf umgewandelt, der eine Turbine antreibt und so bis zu 110 Megawatt Strom erzeugen soll. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Kommendes Jahr soll das Kraftwerk an den Start gehen. Es kann bis zu 380.000 Haushalte mit grünem Strom versorgen. Das spart jährlich knapp 870.000 Tonnen CO2 ein, vergleichbar den Emissionen von rund 300.000 Autos. Ein weiterer wichtiger Schritt auf Chiles Weg zur Klimaneutralität
 

Chiles Hauptstadt Santiago war als Gastgeber für die UN-Klimakonferenz, kurz COP 25, im Dezember 2019 vorgesehen. Aufgrund anhaltender Unruhen im Land hatte die chilenische Regierung aber Ende Oktober beschlossen, die Konferenz abzusagen. Das Klimasekretariat der UN beschloss daraufhin, die Konferenz nach Madrid zu verlegen. Unabhängig von diesen Entwicklungen arbeitet die GIZ weiter für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Chile und unterstützt die chilenische Regierung bei der Erreichung der Klimaziele.


Stand: November 2019

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