Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in Zentralamerika

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in Zentralamerika (DESCA)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Zentralamerika
Politischer Träger: Centro para la Promoción de la Micro y Pequeña Empresa en Centroamérica (CENPROMYPE)
Gesamtlaufzeit: 2007 bis 2012

Logo des Programms „Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in Zentralamerika“. © GIZ

Ausgangssituation

In Zentralamerika schreitet die Integration in den internationalen Handel mit der Erreichung einer regionalen Zollunion, dem Inkrafttreten des Freihandelsabkommen CAFTA-DR sowie dem im Mai 2010 abgeschlossenen Assoziierungsabkommen mit der EU voran. Die nationalen Regierungen von El Salvador, Guatemala und Honduras setzen dabei vermehrt auf die dynamische Kraft innovativer kleinster, kleiner und mittlerer Unternehmen (KKMU). Allerdings sind die KKMU bisher nicht in der Lage, die ihnen zugedachte Rolle als Entwicklungsmotor oder die Chancen, die aus einer Handelsliberalisierung erwachsen, wahrzunehmen. Gerade der innovative Teil des KKMU-Sektors wird in Zukunft besonderem Modernisierungsdruck ausgesetzt sein. Jedoch sind weder die politischen noch die institutionellen Rahmenbedingungen zur Förderung der Handels- und Technologiekompetenz innovativer KKMU geeignet.

Ziel

Die politischen und institutionellen Rahmenbedingungen zur Förderung der Handels- und Technologiekompetenz innovativer KKMU sind verbessert.

Vorgehensweise

Das Programm unterstützt den Aufbau eines kohärenten regionalen und nationalen KKMU-Fördersystems in Zentralamerika. Besonders berücksichtigt werden dabei die Stärkung der Handels- und Technologiekompetenzen sowie die EU-Annäherung. Das Programm stützt sich auf einen Ansatz, der Interventionen auf supranationaler zentralamerikanischer Ebene, auf nationaler Politikebene und auf Ebene der Durchführungsorganisationen umfasst.

Zum Programmansatz gehören prozessbegleitende Beratung, institutionenübergreifendes Capacity Building, Austausch über gelungene Beispiele und deren Transfer in die Region hinein sowie die (länderübergreifende) Vernetzung nationaler und regionaler Organisationen aus den Bereichen Handel, Innovation und Technologie. Die institutionelle Leistungsfähigkeit Einzelner, aber auch Zusammenschlüsse privater und öffentlicher Akteure und ihre jeweiligen Rahmenbedingungen sollen verbessert werden. Sektorpolitische Beratung und Strategieberatung zu Handel und Innovation sind Bestandteil des Ansatzes.

Die Consultingfirma AMBERO unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Handelsförderung

Wissenstransfer in Bezug auf das EU-Assoziierungsabkommen und die Reduzierung von Handelsbarrieren:

  • Die zentralamerikanische KKMU-Plattform (Consejo MIPYME Centroamericano – CMC) konnte die Präsenz, Teilhabe und Einflussnahme des unterrepräsentierten KKMU-Sektors in der Handelspolitik verbessern. Der CMC legte Vorschläge und Positionspapiere für die Verhandlungen des Abkommens mit der EU vor, die zum Teil Eingang in Vertragstexte gefunden haben.
  • Zur besseren Vorbereitung der KKMU auf die Nutzung der Vorteile des noch zu ratifizierenden Assoziierungsabkommens Zentralamerika – EU werden öffentliche und private Förderinstitutionen bei der Erstellung einer (Online-)Toolbox unterstützt. Sie enthält Publikationen und Handbücher mit Empfehlungen für KKMU, die nach Europa exportieren wollen. Zusätzlich werden Partner beim Aufbau von Exportkonsortien beraten, um KKMU den Zugang zum Exportmarkt Europa zu erleichtern.
  • In El Salvador richtete die Zentralbank ein sogenanntes Single Window für zentralisierte Import- und Exportgenehmigungsverfahren ein. In El Salvador, Guatemala und Honduras wurden Import- und Exportprozesse verbessert. Beispielsweise konnten in El Salvador Bearbeitungszeiten für einige Importprozesse stark reduziert werden, von 4 Stunden auf 30 Minuten.
  • Um das Dienstleistungsangebot für Unternehmen zu verbessern, wurden E-Learning-Kurse zur Stärkung der Außenhandelskompetenz entwickelt und von Universitäten in El Salvador und Honduras eingeführt. Bisher wurden 5 eigenfinanzierte Online-Kurse mit mehr als 100 Teilnehmern durchgeführt. Die entwickelten Exportpläne ermöglichten einigen Unternehmen, neue Märkte und Kundenkontakte zu erschließen.
  • Zusammen mit mehreren Partnern wurde ein Mentoring-Programm aufgelegt, um Frauen in Handel, Innovation und Existenzgründung zu fördern. Bisher wurden in 5 Ländern 120 Mentorinnen ausgebildet, die 120 Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen beraten haben. Positive Wirkungen gab es vor allem hinsichtlich Motivation und Führungskompetenzen. Viele Teilnehmerinnen bestätigen außerdem, dass sie Dank der Beratung neue Kunden gewonnen, Verkaufszahlen gesteigert, neue Nischenmärkte gefunden und Innovationen angestoßen haben.

Innovationsförderung

Stärkung der Eckpfeiler der Innovationssysteme, Verbesserung der Rahmenbedingungen und Förderung der Interaktion:

  • In zwei Ländern wurden erstmals Fortbildungsmaßnahmen zum Thema Innovationsmanagement durchgeführt:
    • In El Salvador wurde der „Diplomkurs für marktorientiertes Innovationsmanagement“ des internationalen sept-Programmes (small snterprise sromotion + sraining) der Universität Leipzig in Masterprogramme der Business School ISEADE integriert. Bisher haben 103 Teilnehmer den Kurs abgeschlossen und 32 Innovationspläne entwickelt. Aktuell wird der vierte Kurs ohne EZ-Subventionierung vorbereitet. Sieben von neuen bisher befragte Unternehmen haben ihre Innovationspläne umgesetzt und neue Vermarktungsmodelle, Produkte oder Dienstleistungen entwickelt.
    • Guatemala wird das aus Costa Rica stammende Innovationsmanagementprogramm „InnovEmpresa“ durchgeführt. 19 Innovationsmanagementberater wurden ausgebildet, vier von ihnen zu Ausbildern fortgebildet. Bisher haben sie mehr als 60 Unternehmen bei der Entwicklung von Innovationsplänen beraten. Sieben Innovationsmanagementberater haben eine Stiftung gegründet (Fundación I). Das Technische Ausbildungsinstitut INTECAP bietet seit 2011 Online-Innovationsmanagementkurse an, bisher 50 Teilnehmer. Der Exportverband AGEXPORT und Universitäten bieten ebenfalls Kurse an oder haben Innovationsmanagement in bestehende Bildungsangebote aufgenommen. Bisher neun befragte Unternehmer bestätigten die Wirkung von implementierten Innovationsplänen: Acht Unternehmer haben beispielsweise neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt oder Prozessverbesserungen umgesetzt. In vier Fällen konnte eine Umsatzsteigerung von mehr als 30 Prozent erreicht werden.
  • In Guatemala und Honduras verbessern sogenannte Mesas Técnicas de Innovación Austausch, Koordination und Kooperation wichtiger Akteure des Innovationssystems. Diese monatlichen Runden Tische haben sich mittlerweile formalisiert, arbeiten an einer abgestimmten Öffentlichkeitsstrategie und führen Projekte wie den IT-Innovationswettbewerb in Honduras gemeinsam durch. Inzwischen wurden große Schritte in Richtung institutionelle Nachhaltigkeit gemacht. Neue Mitglieder und Kooperationspartner sind hinzugekommen, beispielsweise das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Diaspora-Netzwerk Honduras Global und private Universitäten.
  • Die Existenzgründerplattform First Tuesday mit mehr als 2.000 Mitgliedern iat in El Salvador und Honduras fester Bestandteil der Existenzgründerszene. Die Salvadorianischen Stiftung für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (FUSADES) und der honduranische Industrieverband ANDI führen regelmäßig Trainings und Networking-Veranstaltungen durch. Bisher konnten mehr als 500 Existenzgründer ihre Projektideen vorstellen. Einige Projekte wurden bereits von Großunternehmen finanziert. Es hat Geschäftsabschlüsse gegeben und einige Teilnehmer bemühen sich um eine Patentanmeldung.
  • Das Programm fördert den Aufbau leistungsfähiger IT-Cluster zur Erhöhung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der KMU. In Honduras wurde der erste IT-Verband gegründet (AHTI). In den drei Partnerländern erweitern die IT-Cluster ihr Serviceangebot für Mitgliedsunternehmen in den Bereichen Exportförderung und Trainings.
  • Der Förderfonds FONDEPRO zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von KKMU wurde erfolgreich von El Salvador nach Guatemala transferiert und dort im Juni 2011 im Wirtschaftsministerium angesiedelt. 130.000 Euro wurden inzwischen an 35 Projekte vergeben. In El Salvador wurde der KMU-Förderfonds weiterentwickelt und erstmals eine neue Förderlinie für Startkapital eingeführt, die innovativen Existenzgründern neue Finanzierungsmöglichkeiten bietet.