Deutsch-indisches Energieprogramm (IGEN)

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Indo-German Energy Programme (IGEN)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Indien
Politischer Träger: Büro für Energieeffizienz (BEE), Central Electricity Authority (CEA), Ministerium für Energieversorgung (MoP), Ministerium für neue und erneuerbare Energien (MNRE), die indische Regierung
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2020

Indien. Solaranlage

Ausgangssituation

Indien verbraucht inzwischen jährlich mehr als 8.900 Terawattstunden (TWh) Energie (Gesamtbereitstellung von Primärenergie 2015), erreicht aber mit einem Stromverbrauch von etwa 1.100 Kilowattstunden pro Kopf nicht einmal ein Drittel des weltweiten Durchschnitts. Dadurch entstehen in allen Bereichen der Gesellschaft und in ländlichen Regionen genauso wie in städtischen Ballungsräumen große Herausforderungen. Denn unabhängig davon, ob private Haushalte, Industrieunternehmen oder Dienstleister betroffen sind: Der eingeschränkte Zugang zu Energie begrenzt die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung und der Armutsbekämpfung.

Auch die Qualität der Energieversorgung ist ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung Indiens. Auf einem Energiemarkt mit knappem Angebot bei stark steigender Nachfrage können zwei Strategien als entscheidend für die künftige Entwicklung angesehen werden: Zum einen die Ausschöpfung des Energieeinsparpotenzials, um Energieverluste entlang der gesamten Lieferkette zu verringern und dadurch den Ressourceneinsatz zu optimieren und die Kosten zu senken, zum anderen die massive Einführung erneuerbarer Energien und deren Integration in die Stromnetze, um den Energiemix zu diversifizieren.

Indien hat sich 2015 das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2022 175 Gigawatt erneuerbarer Energien zu installieren, davon allein 100 Gigawatt Photovoltaik. Der Strom aus den neu gebauten Anlagen muss aber auch zu den Lastzentren transportiert werden und das Netz muss das neue, stark schwankende Stromaufkommen optimal aufnehmen. Zusätzlich will Indien Energieeffizienz und Emissionsintensität des Bruttoinlandsprodukts bis 2030 um 33 bis 35 Prozent des Niveaus von 2005 reduzieren.

Ziel

Die Rahmenbedingungen für die Netzintegration von erneuerbarer Energie und für die effiziente Energienutzung sind verbessert. Die zweite Phase des Perform Achieve and Trade Scheme (PAT II) (Start 2016) hat verpflichtete Energieverbraucher.

Bahnkreuzung in Indien

Vorgehensweise

Die GIZ führt das deutsch-indische Energieprogramm im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durch. Sie stimmt sich dabei mit der KfW Entwicklungsbank ab und arbeitet mit ihren indischen Partnern zusammen. Das Energieprogramm fördert Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und die Netzintegration erneuerbarer Energien.

Das Energieprogramm besteht aus vier Teilen:

  • Energieeffizienz insbesondere für die Industrie: Durch PAT werden besonders energieintensive Branchen identifiziert und innerhalb dieser Branchen einzelne Unternehmen ausgewählt
  • Entwicklung von Energy Conservation Building Code (ECBC) für mehrstöckige Wohngebäude
  • Massive Netzintegration von erneuerbaren Energien, Green Energy Corridor (GEC)
  • Photovoltaik (PV)-Dachanlagen

 

Wirkungen

Das Vorgängerprogramm war von 2003 bis 2015 in Indien aktiv und konnte in dieser Zeit einiges erreichen. Hier nur einige Beispiele:

Die Kennzeichnung des Energieverbrauchs von Haushaltsgeräten und energieintensiven Maschinen und Anlagen wurde vorangetrieben und ist inzwischen weit fortgeschritten. Mehr als 10.000 Fachkräfte haben Prüfungen für die Zertifizierung als Energie-Manager oder Energie-Auditor abgelegt. Die Privatwirtschaft investiert inzwischen mehr als 400 Millionen Euro pro Jahr in Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz. Dadurch konnten bis jetzt Energieeinsparungen mit einem Jahresvolumen von 300 Millionen Euro erzielt werden. Mithilfe des Programms wurde die weltweit erste Berechnungsgrundlage zur Ermittlung des CO2-Emissionsfaktors für das indische Stromversorgungsnetz entwickelt. Über sechs Millionen Schüler haben 2014 in einem indienweiten Malwettbewerb zum Thema Energieeinsparung teilgenommen. Für 85 staatliche Wärmekraftwerke wurde eine Erfassung und Leistungsüberprüfung durchgeführt, die ein Einsparpotenzial von 6,92 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr ergeben hat. Mit der ersten Phase von PAT (2012 bis 2015) konnte nicht nur Energie eingespart werden, sondern im Vergleich zum Status quo wurden 31 Millionen Tonnen CO2 /a weniger ausgestoßen.

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