Perspektiven für Flüchtlinge und Migranten

Bildung, Jobs, Infrastruktur: Menschen auf der Flucht und aufnehmende Regionen werden auf vielfältige Weise unterstützt.

Menschen verlassen ihr Zuhause aus vielfältigen Gründen. Viele suchen im Ausland nach Arbeits- oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Andere müssen ihre Heimat aufgrund von Krieg oder Gewalt verlassen, weil sie aus religiösen oder politischen Gründen oder wegen ihrer sexuellen Identität verfolgt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH trägt weltweit dazu bei, die mit Flucht und Migration verbundenen Herausforderungen zu bewältigen und langfristige Perspektiven für Menschen zu schaffen.

Im Auftrag der Bundesregierung, der Europäischen Union und anderer internationaler Auftraggeber unterstützt das Bundesunternehmen Flüchtlinge und Migranten weltweit in mehr als 100 Projekten. Dazu gehören kurzfristige Programme, aber auch langfristig angelegte Maßnahmen, die Strukturen und Stabilität schaffen. Allein zwischen 2010 und 2015 sind mit Unterstützung der GIZ mehr als vier Millionen Flüchtlinge und Binnenvertriebene erreicht worden.

Flüchtlinge unterstützen, Aufnahmeregionen stärken

Mit kurzfristigen Beschäftigungsprogrammen können sich Menschen auf der Flucht für eine bestimmte Zeit ein eigenes Einkommen verdienen und gleichzeitig beruflich fortbilden. Sie bauen zum Beispiel Sportplätze oder befestigte Straßen in Camps und aufnehmenden Gemeinden. So wird die Infrastruktur verbessert Die Teilnehmer werden im Anschluss an die Arbeit direkt entlohnt. Wo viele Menschen leben, muss aber auch die Müllentsorgung organisiert werden: Im jordanischen Flüchtlingscamp Zataari und den umliegenden Gemeinden sammeln syrische Geflüchtete Müll, sortieren ihn und verkaufen die Wertstoffe an lokale Unternehmen.

Die meisten Menschen sind vertrieben im eigenen Land – allein in Afghanistan sind mehr als 1,8 Millionen betroffen. Dort hat die GIZ im Auftrag des Auswärtigen Amtes 40.000 Menschen mit Unterkünften oder Materialien zum Hausbau unterstützt. Außerdem bietet sie Lese- und Schreibtrainings sowie handwerkliche Fortbildungen an. So können die Menschen langfristig berufliche Perspektiven entwickeln.

Die GIZ unterstützt aber nicht nur die Menschen auf der Flucht, sondern auch die Aufnahmeregionen und die dort lebende Bevölkerung – schließlich ist beispielsweise die Infrastruktur oft gar nicht ausgelegt auf die vielen neuen Bewohner. So hilft das Bundesunternehmen etwa dabei, die Gesundheits- oder Wasserversorgung zu verbessern. Die Aufnahmeländer werden so dabei unterstützt, die Basis für ein friedliches Zusammenleben und menschenwürdige Lebensbedingen zu schaffen. Bei der Unterstützung geht es aber auch darum, Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen.

Keiner, der hier ausgebildet wurde, ist heute arbeitslos.

Mohamed Tavig, Ausbilder in Jiner

Im Berufsbildungszentrum Jiner im Nordirak etwa können junge Menschen, vor allem geflüchtete Syrer und Jesiden, verschiedene kurze Ausbildungsprogramme in nachgefragten Berufen absolvieren. Bis Ende 2018 sollen zum Beispiel 6.000 Schweißer, Elektriker und Klempner ausgebildet sein. Das Konzept geht auf: Ein Drittel der ersten Absolventen fand innerhalb von drei Monaten nach Kursende einen Job und hat den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben gefunden.

Perspektiven im Heimatland schaffen, Migration als Chance begreifen

Um die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern zu verbessern und dabei gleichzeitig Fluchtursachen zu mindern, braucht es eine sichere Grundversorgung und Perspektiven – letzteres betrifft vor allem junge Menschen. In Tunesien beispielsweise sind ein Drittel aller Hochschulabsolventen arbeitslos. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bietet die GIZ dort Ausbildungsprogramme an – zum Beispiel in den Bereichen Textilproduktion, Tourismus und Trockenbau. Bisher haben rund 5.700 Jugendliche eine Aus- oder Weiterbildung gemacht, mehr als 3.100 von ihnen haben eine Arbeit gefunden – und damit bessere Chancen für eine Zukunft in der Heimat erhalten.

Bei allen Herausforderungen: Migration bietet auch große Chancen

Arno Tomowski (GIZ)

Auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen verlassen viele Menschen ihr Herkunftsland – oft auch, weil es zu wenig Beratungsangebote zu beruflichen Möglichkeiten vor Ort gibt. Im Auftrag des BMZ hat die GIZ Migrationsberatungszentren im Westbalkan und in Nordafrika eingerichtet. Seit 2015 wurden mehr als 30.000 Beratungsgespräche zu Ausbildungs- und Jobangeboten im jeweiligen Land, aber auch zu legalen Wegen der Migration nach Deutschland geführt. Die Zentren sind aber nicht nur Anlaufpunkt für die heimische Bevölkerung. Auch Migranten, die von Deutschland in ihre Heimatländer zurückkehren möchten, werden in ihrem beruflichen Neuanfang unterstützt.

 

Stand: April 2018