Globalvorhaben Grüne Innovationszentren in der Agrar- und Ernährungswirtschaft (GIAE)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Globalvorhaben Grüne Innovationszentren in der Agrar- und Ernährungswirtschaft (GIAE
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Ghana, Indien, Kamerun, Kenia, Malawi, Mali, Mosambik, Nigeria, Sambia, Togo, Tunesien
Politischer Träger: Je nach Land unterschiedlich
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2023

Ausgangssituation

Diejenigen, die einen Großteil der Nahrungsmittel weltweit anbauen, haben oft selbst nicht genug zu essen. Zwar ist der Hunger in Entwicklungsländern seit dem Jahr 2000 um fast ein Drittel zurückgegangen, dennoch leidet weltweit immer noch jeder neunte Mensch an Hunger. Mehr als die Hälfte davon sind Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Die mageren Ernten reichen für sie nicht einmal aus, um die eigene Familie zu ernähren und eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen. Zudem verdirbt ein großer Teil der Lebensmittel auf dem Weg vom Acker zum Teller, da Lagerung, Verarbeitung und Handel nicht Hand in Hand gehen. 

Zur niedrigen Produktivität in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft kommt, dass im Jahr 2050 voraussichtlich fast zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Die Nachfrage nach Nahrung wächst also unaufhaltsam. Die weltweite Nahrungsmittelproduktion muss nach Ansicht von Fachleuten von 2012 bis 2050 um mindestens 50 Prozent gesteigert werden, um alle Menschen zu ernähren. Doch die Fläche ist begrenzt: Pro Kopf wird immer weniger Ackerland und Weidefläche zur Verfügung stehen. Wasser wird ebenfalls knapper. 

Wie ist das zu schaffen? Der Schlüssel zum Erfolg sind landwirtschaftliche Innovationen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat daher 15 „Grüne Innovationszentren“ in der Agrar- und Ernährungswirtschaft gegründet: in 14 Ländern Afrikas und in Indien. Sie bilden das Herzstück der Sonderinitiative „EINE WELT ohne Hunger“.

Ziel

Die Einkommen kleinbäuerlicher Betriebe, die Beschäftigung und die regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln in den ländlichen Zielregionen sind durch Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft gesteigert.

Vorgehensweise

Das Programm stimmt sich mit den Ministerien vor Ort ab und arbeitet zusammen mit den anderen Programmen der Sonderinitiative „EINE WELT ohne Hunger“ sowie mit bilateralen Programmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Im Zentrum der Grünen Innovationszentren stehen kleinbäuerliche Betriebe, die bei nachhaltiger Produktions- und Einkommenssteigerung unterstützt werden. Gleichzeitig ist das Ziel, neue Arbeitsplätze in der Verarbeitung zu schaffen, damit hierdurch ein größerer Teil der Wertschöpfung vor Ort und insbesondere im ländlichen Raum bleibt.

Die Grünen Innovationszentren fördern die Verbreitung von Innovationen durch Beratung, Schulung und Fortbildung sowie den Zugang zu Krediten. Die Innovationen können technischer Art sein, zum Beispiel die Mechanisierung der Landwirtschaft, verbessertes Saatgut, Dünger oder Kühlketten. Vielfach geht es auch um neue Wege der Zusammenarbeit, beispielsweise beim Aufbau von Erzeugergemeinschaften, spezialisierten Unternehmen oder Interessenvertretungen.

Wo immer möglich, gibt es Kooperationen mit bestehenden Landwirtschaftsschulen, Wissenszentren und Forschungseinrichtungen – wie dem AfricaRice Center oder dem International Institute of Tropical Agriculture. Zusätzlich ist die internationale Begleitforschung mit dem Zentrum für Entwicklungsforschung innerhalb der Sonderinitiative aktiv.

Die Privatwirtschaft unterstützt ebenfalls: In Tunesien hat das Innovationszentrum gemeinsam mit der tunesischen Großmolkerei Délice eine Trainingsoffensive gestartet. In Indien gibt es ein Modernisierungsprojekt, das gemeinsam mit den deutschen Landmaschinenherstellern Grimme und Lemken in der Wertschöpfungskette Kartoffel umgesetzt wird.

Die Grünen Innovationszentren setzen auch auf die Zusammenarbeit mit Zivilgesellschaft und Verbänden. So gibt es beispielswiese in Mali eine Kooperation mit dem Deutschen Volkshochschulverband zur funktionalen Alphabetisierung. In Äthiopien unterstützt die Welthungerhilfe bei der Stärkung von Bauernorganisationen. Einen länderübergreifenden Wissensaustausch gibt es zwischen den Landfrauen  des Bayerischen Bauernverbands sowie aus Kenia.

Wirkungen

Über 4.000 Arbeitsplätze wurden geschaffen. Rund eine Million kleinbäuerliche Betriebe haben von Trainings- und Beratungsdienstleistungen profitiert. 130 Innovationspartnerschaften mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Zivilgesellschaft sind bereits entstanden.

Beispiele aus den Projektländern:

In Benin sorgt das Grüne Innovationszentrum für Coachings in Betrieben. Bereits über 1.500 Menschen haben ein individuelles Coaching durchlaufen – dieser beinhaltet eine Beratung in Unternehmensführung, Buchhaltung, Aufstellung von Geschäftsplänen, Entwicklung von Zukunftsvisionen und Kontaktaufbau zu Banken. Insgesamt entstanden dadurch bereits 850 neue Arbeitsplätze, die Unternehmen konnten ihren Umsatz teilweise verdoppeln.

Das Innovationszentrum in Mali berät Bäuerinnen und Bauern bei der Anwendung von Innovationen im Bewässerungsfeldbau. Dadurch stieg der Reis-Ertrag um knapp 50 Prozent (auf 2,8 Tonnen/Hektar gegenüber 1,9 Tonnen/Hektar im konventionellen Anbau). Rund 7.500 Bäuerinnen und Bauern wurden bereits in der ressourcenschonenden System-of-Rice-Intensification-(SRI)-Methode fortgebildet: Hierbei werden der Saatguteinsatz um bis 80 Prozent und der Wasserverbrauch um bis zu 35 Prozent im Vergleich zu traditionellen Anbaumethoden reduziert.

In der Farmer Business School (FBS) stärkt das Grüne Innovationszentrum in Tunesien die unternehmerischen Fähigkeiten von über 2.100 Kleinbäuerinnen und -bauern in der Milcherzeugung. Obendrein erlernen sie alles rund um nachhaltige Tierhaltung: Automatische Tränken, ausgewogenes Futter und mehr Freilauf sorgen für eine bessere Entwicklung der Tiere. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Um ein Viertel erhöhten sich die Erträge – bei steigender Milchqualität. 

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